Smartphones - Fluch und Segen?

Smartphones - so nützlich und sinnvoll sie sind - genauso gefährlich und zerstörerisch können sie für unser soziales Gefüge, ja sogar für unseren Körper sein. Nachfolgend werde ich euch einige dieser Probleme aus meiner Sicht der Dinge schildern. Vorab möchte ich sagen, ich bin selbst ein Betroffener dieses Artikels. Ich nutze das Smartphone mehrfach am Tag, WhatsApp, Facebook, Instagram, E-Mails, etc. da kommt einiges zusammen. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir diesen Konsum zumindest einschränken sollten. Wir müssen uns nicht vor der Moderne verschließen, wir sollten nur wissen mit ihr umzugehen.

 

 

Warum schreibe ich nun so einen kritischen Artikel? Es gibt doch einige positive Argumente, die das Dasein des Smartphones befürworten und rechtfertigen?

Segen des Smartphones

  • Terminplanung
  • Anrufe/SMS  Jederzeit fast überall

  • WhatsApp/Facebook/Instagram/Twitter, etc. (Social media)

  • Internet

  • Handyspiele zum Zeitvertreib

  • integrierte Kamera

 

Das sind die größten Vorteile eines Smartphones. Diese sind nicht zu verachten und für einen modernen Menschen heutzutage kaum noch wegzudenken. Nehmen wir beispielsweise an, wir stehen mitten in der Pampas und das Auto ist liegengeblieben. Wie soll ich jemanden verständigen? Wie soll ich die nächste Werkstatt ausfindig machen?

 

Oder...

 

Ich habe irgend eine Frage, ein Problem und möchte das Schwarmwissen des Internets nutzen, um diese Frage zu klären, ohne hierzu an einem PC sitzen zu müssen. Ich will die Antwort hier und jetzt - im Bus, auf der Arbeit, im Schwimmbad, wo auch immer - wir sind durchs Smartphone wahnsinnig mobil in unserer Daten- bzw. Wissensbeschaffung!

 

 

Keine Frage - alles ganz toll. Ich könnte mir ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen - wirklich nicht. Es ist zu nützlich, um es komplett aus dem Leben zu löschen. Es gibt allerdings immer zwei Seiten einer Medaille. Kommen wir zur "Dunklen Seite"

Fluch des Smartphones

Ich möchte die Nachteile des Smartphones in dreierlei Bereiche unterteilen. Die physische, psychische und soziale Komponente. Die Nutzung des Smartphones kann in diesen Bereichen verheerende Auswirkungen haben. Natürlich kommt es in jeglichem Bereich auf die Intensität deiner Nutzung an. Wo siehst du dich selbst? Wie oft nutzt du dein Smartphone? Kannst du verzichten?

Physische Folgen

  • RSI (Repetitive Stress Injuries) sind z. Dt. sich ständig wiederholende Stress-Verletzungen. Darunter versteht man sowohl immer wiederkehrende große, als auch kleine Bewegungen, die die Gelenke, Muskeln, Sehnen und Nerven belasten. Bsp.: Das ständige Tippen auf dem Smartphone. Das kann auf Dauer zu einem Quervain-Syndrom führen, wodurch die Sehnen beeinträchtigt werden, die für die Bewegung des Daumens zuständig sind.*1
  • Probleme im Bereich der Halswirbelsäule: Durch das ständige Abknicken des Kopfes nach vorne erhöht sich die zu tragende Last der Nackenmuskulatur um ein Vielfaches. Es wirken im gebeugten Zustand bis zu 15 KG Zugkraft auf euren Nacken! Das führt auf Dauer zu Verspannungen und daraus resultierend zu Schmerzen. Durch diese Beugung belastet ihr eure Halswirbelbandscheiben einseitig, was auf Dauer zu einem Bandscheibenvorfall führen könnte. *2
  • Durch die kleinen Displays der Smartphones und somit kleiner dargestellten Texte und Schriften können die Augen bei übermäßiger Nutzung stark beansprucht werden. Dies kann auf Dauer Augenschmerzen, Rötungen oder Kopfschmerzen hervorrufen.
  • Jedes Smartphone sendet hochfrequente elektromagnetische Strahlen, um Sprache und Daten zu übertragen. Somit tragen wir ständig ein Gerät mit uns herum, das Strahlung abgibt. Bislang wurde die abgegebene Strahlung als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft. Allerdings gibt es hierzu keine ausreichend belegten Untersuchungen. Dennoch wird zur Vorsorge geraten. Grundlegend sind 46 % der auf dem Markt erhältlichen Smartphones "strahlungsarm". Ihr könnt die Einstufung eures Smartphones unter diesem Link (hier klicken) prüfen!*3

 

  • Schlaflosigkeit: Ihr liegt abends im Bett und schaut noch ein paar Youtube Videos oder durchforstet Facebook? Keine gute Idee! Das durch das Smartphone emittierte blaue Licht wirkt sich negativ auf die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin aus und senkt dieses um bis zu 55 %. Das Hormon ist für die Steuerung des Tages- und Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers zuständig.*4

Psychische Folgen

  • Wir tragen unser Smartphone ständig bei uns. Jeder kann uns jederzeit erreichen. Wir prüfen ständig, ob uns jemand geschrieben hat. Dieses ständige "abrufbereit sein" lässt uns nur schlecht entspannen. Erschwerend kommt hinzu, dass uns die Arbeit entweder per Anruf, per E-Mail oder WhatsApp bis nach Hause verfolgen kann! Stress pur!
  • Man setzt sich durch die Handynutzung zu vielen Reizen aus. Sei es während Unterhaltungen, während dem Autofahren (Achtung bußgeldbewährt), beim Fernsehschauen, egal in welcher Situation auch immer. Es sind zu viel Reize die auf euren Körper und  euer Gehirn einprasseln. Ist euer Gehirn überfordert, lässt es euch das spüren. Ihr fühlt euch gestresst und unentspannt.

Soziale Folgen

  • Man unterhält sich nicht mit den anwesenden Personen, da man mit möglichst vielen Bekannten zeitgleich in Kontakt sein möchte. Hierbei kommen meist die, die wir direkt vor uns haben zu kurz. Wir verbringen zu viel Zeit damit, Leuten am Handy zu antworten oder in Facebook zu surfen, als uns auf diejenigen zu konzentrieren, mit denen wir gerade Zeit verbringen!

  • Durch das Surfen und Schreiben im Web isoliert man sich nach und nach vom "tatsächlichen" Leben. Man zieht das Schreiben in WhatsApp dem Treffen in einem Cafe, um sich dort persönlich austauschen zu können vor. Auf Dauer beeinträchtigt das unser soziales Leben nachhaltig. Wir gewöhnen uns an die "Isolation". 

 

Wir haben nun einige positive, als auch negative Aspekte des Smartphones aufgezählt. Wer von euch könnte gänzlich verzichten? Ich bin ehrlich - ich nicht! Möchtest du deine Nutzungsweise verändern und bist dir deines Standpunktes sicher? Dann musst du Kompromisse eingehen!

Persönliche Erfahrung

Ich möchte euch hierzu noch kurz eine persönliche Erfahrung schildern. Ich befand mich für eine Woche auf einem beruflichen Lehrgang. Mein Handy versagte am 1. Tag der Woche. Ich war erstmal völlig verzweifelt und verfluchte das Handy des Öfteren - glaubt mir. Ich war mitten in der Pampas, kurz vor der deutschen Landesgrenze, keine Chance ein Ersatzhandy zu bekommen. Kein Internet, kein Kontakt zu Bekannten und Freunden, kein Telefonieren, nichts. Ich konnte mir nicht einmal einen Wecker stellen und musste mich von einem Kollegen wecken lassen! Ich versuchte sogar das Handy zu rebooten (auf Werkseinstellungen zurückzusetzen), nichts funktionierte. Nach dem 2. Tag voller Verzweiflung und gescheiterten Versuchen es wieder flott zu kriegen, fand ich mich damit ab. Wie erging es mir damit? Ich bekenne mich, wie oben schon erwähnt, zu den intensiveren Smartphone-Nutzern. Ich tat mir schwer. Es war ungewohnt, aber es war eine befreiende Erfahrung. Ich hatte viel mehr Zeit mich mit dem zu befassen, weswegen ich eigentlich auf diesem Lehrgang war. Ich konnte meine Zeit intensiver wahrnehmen. Ich hatte von Tag zu Tag weniger "Angst" etwas zu verpassen. Ich merkte, wie mir das gesellige Zusammensitzen am Abend ohne Handy in der Hosentasche oder auf dem Tisch gut tat. Kein ständiges Blinken - oh eine neue Nachricht! Keine ständige Möglichkeit durch die Weiten des Internets zu fliegen. Es ließ mich entspannen. Weniger ständige Aktivität, weniger Stress.

 

 

Das war jetzt natürlich eine "krasse" Situation. Unser Alltag muss kein absoluter Verzicht sein. Ich merkte aber, dass diese handyfreien Zeiten eine Bereicherung, bzw. Erleichterung für den Körper waren. Ich stand nicht so unter Spannung. Wenn ihr euch nun fragt, was der Kerl da für einen Stuss erzählt, gebt mir, bzw. euch eine Chance und findet es selbst heraus, was ich euch versuche zu erklären!

Kompromisse

Ich - für meinen Teil - kann nicht aufs Smartphone verzichten. Wie es euch damit geht, weiß ich nicht. Dem einen würde es leichter fallen - der andere würde weinerlich zusammenbrechen. Die nachfolgenden Kompromisse richten sich an all diejenigen, die vermuten ihr Smartphone zu häufig zu nutzen.

 

  • Richtet euch morgens eine handyfreie Zeit ein, um gemütlich in den Tag zu starten, in Ruhe frühstücken zu können und erst einmal fit zu werden, bevor ihr euch mit den WhatsApp Messages beschäftigt, die eingeflogen sind. Ein Tipp zu dieser Methode: Kauft euch einen eigenständigen Wecker. Das Handy als Wecker zu nutzen scheint zwar wahnsinnig praktisch, kann uns aber dazu verleiten, bereits früh das Handy in die Hand zu nehmen und zu surfen.
  • Legt eure handyfreie Zeit auf abends. Ihr kommt von der Arbeit nach Hause, habt euer Essen zubereitet und wollt nun den Tag gemütlich ausklingen lassen. Nehmt euch ein Buch, legt euch in die Badewanne, schaut einen Film, geht spazieren,  geht in die Therme. Wichtig ist hierbei nur, dass ihr das Handy weg legt. Ihr müsst nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar sein!
  • Lasst das Handy bewusst in der Hosentasche, wenn ihr euch mit Freunden verabredet und zusammen Zeit verbringt. Quatscht lieber über Gott und die Welt, anstatt alle 5 Minuten auf das Handy zu starren. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist, wenn 4 von 6 Leuten das Handy in der Hand halten und die Konversation, die eigentlich in dieser Gruppe stattfinden sollte, komplett stirbt - schade! Das musst nicht sein!
  • Ihr seid mit eurem Partner zum Essen verabredet. Ihr sitzt in einem schönen Restaurant mit gemütlichem Ambiente. Es könnte alles so perfekt sein, wären da nicht die Smartphones, die auf dem Tisch liegen und bei jedem Blinken sofort in der Hand des Besitzers landen. Auch hier spreche ich auch eigener Erfahrung. Hier zerstören die Smartphones nicht nur den  so schönen Moment, sondern erzeugen  Spannungen untereinander. Weg mit dem Smartphone - ihr könnt auch 1 1/2 Stunden ohne! 
  • An diejenigen, die gerne und regelmäßig mit dem Smartphone E-Mails checken und schreiben. Richtet euren E-Mail Account so ein, dass ihr nur einmal am Tag Nachrichten erhalten könnt. Beispielsweise um 17:00 Uhr. Dann trudeln um diese Uhrzeit alle E-Mails ein, die vorher an euch versandt wurden. Ihr könnt nun in wesentlich kürzerer Zeit den Strom an E-Mails beantworten. Ihr müsst euch nur einmal einloggen und arbeitet euch dann Stück für Stück durch! Eine super Zeitersparnis und Entspannung für den Kopf! Wer das noch knapper planen will, kann sich einen Tag oder zwei Tage in der Woche einplanen, an denen er seine E-Mails erhalten möchte. Schwubs, die restliche Woche braucht ihr euch keine Sorgen um verpasste E-Mails zu machen!

 

  • Wenn keiner der oben genannten Punkte umsetzbar zu sein scheint, könnt ihr euch immer noch zwangsweise eine App auf dem Handy installieren, die euch das Handy für die voreingestellte Zeit sperrt. Diese Art der Umsetzung gibt es auch mit einem kleinen Safe. Dort sperrt ihr euer Smartphone ein, bis die eingestellte Zeit abgelaufen ist und der Safe sich wieder öffnet. Finde ich persönlich etwas verrückt und unnötig. Wir schaffen das auch so!

Schlusswort

Ich finde, dass das Smartphone eine wahnsinnig tolle und sinnvolle Erfindung ist. Dennoch ist es wichtig, potentielle "Gefahren" der Nutzung zu kennen und entsprechend damit umzugehen. Ein gesunder Umgang mit dem Smartphone lässt alle negativen Aspekte wieder etwas kleiner werden. Bemüht euch um eures Körpers, eurer Bekannten und Partner Willen darum, die Handynutzung einzuschränken. Ihr werdet sehen, dass alle angesprochenen Bereiche eine Erleichterung erfahren werden! 

Quellen:

  • *1 Dr. Astrid Högemann, URL: http://flexikon.doccheck.com/de/Tendovaginitis_stenosans_de_Quervain
  • *2 Dr. Kelly Starrett Buchtitel: "Sitzen ist das neue Rauchen"
  • *3 Bundesamt für Strahlenschutz, 29.04.2016 https://www.bfs.de/DE/themen/emf/mobilfunk/schutz/vorsorge/smartphone-tablet.html
  • *4 Dr. Anne-Marie Chang et. al 2014, URL: http://www.pnas.org/content/112/4/1232.full.pdf

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0